Das Modell von NLP

"Wenn du dir schon Sorgen machst, dann tu es wenigstens mit einer ruhigen, tiefen Stimme! Dann entspannt es dich!" Richard Bandler

 

Rwoman-3597095_640.jpgichard Bandler und John Grinder haben in den 1970er Jahren NLP als ein Kommunikations-Modell mit Ansätzen aus der Psychologie, der Hypnose und den Sprachwissenschaften entwickelt. Die Abkürzung steht für Neurolinguistisches Programmieren und setzt grundsätzlich die Annahme voraus, dass das, was in deinem Leben passiert, auch von dir selbst beeinflusst werden kann und lässt sich praktisch einfach im Alltag anwenden.

Der Ansatz im Modell von NLP besteht darin, dass die Sprache und das, was sie begleitet, unsere wahrgenommene Wirklichkeit abbildet bzw. beschreibt. Veränderst Du einzelne Komponenten dieser wahrgenommenen Wirklichkeit, veränderst Du auch diese Wirklichkeit.

So sind zum Beispiel der konstruktivistische Ansatz von Watzlawick, der sprachanalytische Ansatz von Milton H. Erickson, der gruppendynamisch familientherapeutische Ansatz von Virginia Satir sowie der linguistische Ansatz von Noam Chomsky deutlich erkennbar.

 

Das NLP-Modell basiert auf neun zentralen Grundannahmen:

 

Grundannahme 1: Wahrnehmung der Realität

Den Prozess der Wahrnehmung der Realität zu verändern, ist wichtiger, als ihren Inhalt zu verändern.

Während wir meistens annehmen, die Realität gewissermaßen auf objektive Weise zu erfassen, könnten wir mit dieser Annahme nicht falscher liegen. Das Streiten um Wahrheiten (Wer hat Recht) ist demnach so unnütz, wie das Kämpfen gegen Rauchwolken. Das, was wir als unsere Realität wahrnehmen, ist lediglich ein Abbild unserer Umgebung, so wir wir es durch unsere individuellen Filter wahrnehmen. Damit sind nicht nur optische Täuschungen und Wahrnehmungseinschränkungen gemeint, wie beispielsweise der Halo-Effekt, sondern vor allem auch unsere Wertevorstellungen und Glaubenssätze, die wir verinnerlicht haben.

Nehmen wir hierfür mal ein anschauliches Beispiel: Während es in einigen kulturellen Kreisen ein positives Zeichen ist, wenn der Teller bis auf den letzten Rest leergegessen wird, kann dies in anderen Kulturen als unhöflich empfunden werden, da man signalisiert, dass die Menge des Essens nicht gereicht hat bzw. man nicht satt geworden ist.

Wer hierbei der Meinung ist, die Wahrheit zu erkennen, stellt eine anmaßende Behauptung auf, da sich die Wahrheit je nach Blickwinkel und Perspektive verschiebt. Sätze, die mit Formulierungen wie: "Das macht man nicht" oder "Sowas gehört sich nicht" beginnen, sind demnach ein gutes Indiz dafür, dass sich hierhinter ein Glaubenssatz verbirgt, den es zu hinterfragen lohnt.

 

Grundannahme 2: Bedeutung

Die Bedeutung von Kommunikation ergibt sich aus der Reaktion des Empfängers.

Im Grunde knüpft diese Grundannahme an die oben beschriebene Realitätskonstruktion an. Eine Aussage kann positiv gemeint, jedoch negativ verstanden werden. Dies lässt sich anhand der Reaktion des Empfängers nachvollziehen.

Wichtig ist hierbei, dass die Verantwortung einer funktionierenden Kommunikation keinesfalls nur dem Empfänger zugeschrieben werden soll und kann. Als Sender muss ich mir darüber im Klaren sein, dass der Empfänger das Gesagte möglicherweise anders empfängt, als ich es als Sender gemeint habe. Die Verantwortung hierfür liegt bei beiden Parteien, da ich mich als Sender immer rückversichern sollte, wie die Nachricht bei meinem Gegenüber angekommen ist. "Ist doch klar, wie ich das gemeint habe", ist somit eine unsinnige Aussage, die allenfalls wieder unterstellt, dass es nur eine Perspektive, einen Blickwinkel und eine Realitätswahrnehmung gibt.

 

Grundannahme 3: Sinneswahrnehmung

woman-1000769_640.jpgAlle Unterscheidungen in Bezug auf unser Verhalten sind durch die fünf Sinneskanäle darstellbar.

Diese Grundannahme bezieht sich auf unsere internen Repräsentationen unserer eigenen Realität, also wie wir diese mithilfe unserer fünf Sinne in unserem Inneren darstellen.

Jeder Mensch nutzt seine Sinne unterschiedlich ausgeprägt bzw. steuert seine Wahrnehmung individuell anders. Während der eine eher akustische Reize wahrnimmt und interpretiert und verarbeitet, erfasst die andere ihre Umwelt vermehrt über visuelle Reize. Das ist ansich schon eine Erkenntnis, die uns für unsere zwischenmenschliche Interaktion nützen kann. Wenn wir uns also darüber ärgern, dass unser Gegenüber "so unaufmerksam ist" oder "gar nicht richtig zuhört", kann es stattdessen sein, dass seine Wahrnehmungsbetonung auf anderen Reizen liegt.

Darüber hinaus neigen wir auch selber dazu, bestimmte Reize über unterschiedliche Kanäle wahrzunehmen, je nachdem, ob wir etwas als positiv oder negativ empfinden. Das Trainieren unserer Sinneswahrnehmungen kann uns dabei helfen, Situationen umzudeuten und unsere Bewertungen zu verändern. Anstatt mich also darauf zu verlassen, was ich "ganz genau gehört habe", kann ich versuchen wahrzunehmen, was ich sehe, fühle, rieche und schmecke und dadurch möglicherweise einen anderen Blick auf eine Situation zu erhalten.

 

Grundannahme 4: Ressourcen

Die Ressourcen, die du brauchst, um dich zu verändern, sind bereits in dir selbst vorhanden.

Dies ist ein Ansatz, der eine wichtige Grundlage im Coaching darstellt und aus meiner Sicht ein ganz tolles Bild von Selbstwirksamkeit erzeugt. Während wir in Problemsituationen häufig davon ausgehen, dass uns einfach die Fähigkeiten fehlen, eine Situation zu lösen, wird hier angenommen, dass die eigenen Ressourcen immer ausreichen, man jedoch den Zugang dazu noch nicht gefunden hat.

Hierzu passt auch das Coachingprinzip "Der Klient ist Experte für seine Lösung". Es geht dabei darum, keine durch den Coach oder eine andere Person vorgefertigte Lösung zu übernehmen, sondern stattdessen einen eigenen und ganz individuellen Lösungsweg aus dem eigenen Denken und Fühlen zu erarbeiten.

 

Grundannahme 5: Die Landkarte ist nicht die Landschaft

Auch hier lässt sich die konstruktivistische Grundannahme, dass jeder seine eigene Realität konstruiert wiederfinden. Individuelle Erfahrungen, Einstellungen und Glaubenssysteme bilden hierbei die Linse, durch die wir auf unsere Realität blicken. Eben wie eine Landkarte, die wir von unserer Realität gemalt haben. Wie aber auch auf allen anderen Landkarten kann auch diese kein komplettes und maßstabsgetreues Abbild der Welt/der Realität schaffen und somit keinen Anspruch an Wahrheit und Alleingültigkeit stellen.

 

Grundannahme 6: Positiver Wert des Menschen

Der positive Wert jedes Einzelnen bleibt gleich, während der Wert und die Angemessenheit des internen und externen Verhaltens in Frage gestellt wird.

Hinter dieser Grundannahme verbirgt sich die Trennung von Person und Verhalten. Oftmals neigen wir dazu, eine Person, die eine Meinung vertritt, die wir nicht teilen oder falsch finden, als "schlecht" oder "böse" abzuwerten. Die Grundannahme des positiven Wertes des Menschen setzt jedoch voraus, dass kein Mensch "böse" ist und es daher eine wichtige Denkleistung darstellt, Person und Verhalten bzw. Person und Meinung voneinander zu trennen.

Leider ist dies etwas, was uns vor allem auch in den öffentlichen Medien immer wieder anders vorgelebt wird. Die Dämonifizierung von Personen und ganzen Ländern, aufgrund von Aussagen und Verhalten, welches unsere politischen Vertreter nicht teilen, ist ein vertrauter und allzu beliebter Mechanismus der Stimmungmache und Degradierung. Wenn man jedoch daran glaubt, dass es keine "bösen" Menschen gibt, sondern lediglich Verhaltensweisen, zu denen man eine Meinung entwickeln kann, stellt das oben beschriebene Verhalten eher einen Ausdruck eigener Schwäche dar, indem die Sprache als Machtmittel missbraucht wird.

 

Grundannahme 7: Positive Absicht

Jedes Verhalten hat eine positive Absicht und einen Kontext, in dem es nützlich ist.

Diese Grundannahme knüpft an den oben beschriebenen positiven Wert eines Menschen an. Wenn es einem also erst einmal gelingt, die Person vom Verhalten zu trennen, gilt es im nächsten Schritt, sich von der pauschalen Abwertung des aus eigener Sicht "falschen" Verhaltens zu lösen.

Nehmen wir hierfür mal ein anschauliches Beispiel aus einer Alltagssituation. Ein Pärchen hat Streit und während der Mann es mag, sich lautstark und offensiv auseinanderzusetzen und dies womöglich sogar als bereichernden Meinungsaustausch empfindet, entweicht die Frau der Situation lieber durch Flucht. Dies stört den Mann enorm, da er es als feige empfindet. Ihm wird die Möglichkeit einer offenen und direkten Auseinandersetzung genommen. Dieses, von dem Mann als "falsch" wahrgenommene Verhalten kann jedoch einen ganz nützlichen Zweck in einem anderen Kontext verfolgt haben. Zum Beispiel könnte es sein, dass die Frau von ihrem Vater regelmößig in Auseinandersetzungen verdroschen wurde und sich dadurch den Schutzmechanismus angewöhnt hat, der Situation schnellstmöglich zu entfliehen.

Hierbei handelt es sich um ein schnell nachvollziehbares Verhalten, was vielleicht auch ohne das Hintergrundwissen auf Verständnis gestoßen ist. Die oben beschriebene Annahme, dass jedes Verhalten eine positive Absicht verfolgt und in einem anderen Kontext nützlich sein kann, gilt jedoch auch für jede andere Situation und jedes andere Verhalten.

Wenn es uns also wichtig ist, Verhalten nicht einfach nur abzuwerten und zu kritisieren, lohnt sich die Mühe nachzuvollziehen, in welchem anderen Kontext es seinen Nutzen und damit möglicherweise auch seinen Ursprung hat.

 

Grundannahme 8: Wahlmöglichkeiten

Viele Wahlmöglichkeiten sind besser als eine.

Wir neigen dazu, Entscheidungen häufig aus ein und dem selben Muster heraus zu treffen, egal, in welchem Kontext wir uns befinden. Die Strategie, mit der wir unseren Partner auswählen, ist jedoch sehr wahrscheinlich nicht so passend für die Auswahl eines Berufes.

Die Grundannahme 8 soll ermöglichen, uns immer wieder vor Augen zu führen, dass es viele verschiedene Optionen gibt (auch wenn wir diese nicht auf Anhieb sehen können) und somit unsere Entscheidungsmuster zu durchbrechen, zu verändern oder zu erweitern.

Hierfür könnte eine mögliche Methode folgendermaßen aussehen: Nimm dir für einen bestimmten Zeitraum vor, deine Entscheidungssituationen in einem kleinen Büchlein festzuhalten und erst dann nach einer Entscheidung zu suchen, wenn du mindestens fünf mögliche Handlungsoptionen niedergeschrieben hast. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Optionen sinnvoll sind, oder nicht. Alleine schon, das scheinbar Unmögliche gedacht zu haben, verändert deine Handlungsmuster.

 

Grundannahme 9: Unterteilung

Jeder Mensch kann alles erreichen, wenn der Weg zum Ziel in hinreichend kleine Schritte unterteilt wird.

Nehmen wir mal an, du setzt dir das Ziel, dich selbstständig zu machen. Die Möglichkeiten, auf das Ziepuzzle-2198142_640.jpgl "Ich mache mich selbstständig" hinzuarbeiten, sind dabei so vielfältig und so diffus, dass du vermutlich gar nicht weißt, wo du anfangen sollst. Bei dieser Herangehensweise stehen die Chancen schlecht, dass du dein Ziel wirklich erreichst.

Je kleiner du jedoch deine Schritte in Richtung Selbstständigkeit gestaltest, desto realisierbarer werden sie. Eine Person anzuschreiben, die einem wichtige Fragen beantworten kann, einen Businessplan zu erstellen oder eine Internetpräsenz zu erstellen, sind Schritte, die konkret und überschaubar sind und erst einmal wirken, als ließen sie sich realisieren.

 

Die oben geschilderten Grundannahmen beziehen sich natürlich nicht alle auf unsere zwischenmenschliche Kommunikation. Neurolinguistisches Programmieren setzt auf verschiedenen Ebenen an, wovon Sprache und Kommunikation nur eine sind.

Ich denke jedoch, dass jede dieser Annahmen das Potential hat, Verhaltensweisen und Perspektiven positiv zu verändern, was sich widerum positiv auf unsere zwischenmenschlichen Interaktionen auswirkt.