Das Teufelskreis-Modell (Friedemann Schulz von Thun)

"Willst du ein guter Kommunikator sein, so schau auch in dich selbst hinein." (Friedemann Schulz von Thun)

 

Das Teufelskreis-Modell von Friedemann Schulz von Thun (*06. August 1944) beschreibt die Zwickmühle, in die zwei Gesprächspartner geraten können, anhand ihrer Emotionen und Bewertungen.

Schulz von Thun ist ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, der unter anderem durch sein "Vier-Seiten-Modell" (auch "Kommunikationsquadrat") in Sachen Kommunikation Bekanntheit erlangt hat.

Das Teufelskreis-Modell beschreibt eine eigentlich relativ einfache Dynamik, die zwischen zwei Gesprächspartnern entstehen kann. Anhand dieses Modells lässt sich sehr gut veranschaulicht darstellen, wie in einer Konfliktsituation die negative Dynamik aussieht und was dazu geführt hat bzw. beiträgt.

 

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Grundsätzlich entstehet immer eine eigene Dynamik in dem Moment, in dem zwei Menschen in Kontakt treten. Sie reagieren aufeinander, es kommt zu Aktionen und Reaktionen. Diese Dynamik kann positive oder negative Effekte zur Folge haben. Meistens wird diese Dynamik erst dann von Bedeutung und kritisch hinterfragt, wenn die Beziehung zwischen den beiden Personen und ihre Art miteinander zu kommunizieren als unproduktiv oder schwierig empfunden wird.

 

Das Teufelskreis-Modell unterscheidet vier Stationen:

Äußerungen > eckige Kästen > äußerlich sichtbare und wirksame Verhaltensweisen beider Partner

Innerungen -> Kreise -> innere Reaktionen beider Partner

 

Die wichtigste Erkenntnis im Zusammenhang mit dem Teufelskreis-Modell ist die, dass es KEINEN ANFANG gibt. Das ist vermutlich die schwerste Einsicht und vielleicht denkst auch du dir gerade "So ein Quatsch, irgendjemand muss ja angefangen haben." Was jedoch als Anfang, also als Auslöser angesehen wird, kann sich bei den beiden beteiligten Personen schon unterscheiden. Während Person A also findet, dass eine bestimmte Verhaltensweise von B erst dazu geführt hat, dass ein Konflikt entstanden ist, hat Person B vielleicht bereits eine Aussage von A persönlich genommen und dadurch das besagte Verhalten gezeigt. Person A bezieht diese Aussage jedoch im eigenen Denken möglicherweise gar nicht in die Konfliktsituation mit ein.

Die Suche nach der Ursache oder dem Auslöser ist immer dann müßig, wenn es darum gehen soll, einen Schuldigen, den eigentlichen Übeltäter zu bestimmen. Leider drehen sich viele älltägliche Konflikte genau um solche Versuche der Schuldzuweisung und Täteridentifizierung. Das Teufelskreis-Modell ist eine sehr anschauliche Begründung dafür, den eigenen Fokus in Konfliktsituationen wegzulenken von "und dann hast du gemacht", "ja, aber dafür hast du dann das gemacht" ... und dafür hin zu den dahinterliegenden Motiven und Beweggründen.

Greifen wir hierfür nochmal das Beispiel aus der letzten Woche auf, welches Watzlawick benannt hat. In diesem Beispiel eines Ehepaares beklagt sich die Frau darüber, dass ihr Mann abends so häufig weggeht. Der Mann hingegen geht abends so häufig aus, weil er die Klagen seiner Frau nicht mehr hören mag. Sich hierbei zu überlegen, wer genau die Schuld an der Situation trägt, ist müßig und unsinnig. Natürlich werden beide beteiligten Personen der Meinung sein, der Andere sei schuld. Wann jedoch das Nörgeln angefangen hat und wann das abends Ausgehen, lässt sich möglicherweise gar nicht mehr nachvollziehen und in einen Zusammenhang bringen. Vielmehr lohnt es sich also, dort hinzuschauen, wo die Ursachen für dieses Verhalten liegen. Was sagt es über den Mann aus, wenn er dem Genörgel entflieht? Er möchte vielleicht abends seine Ruhe haben. Vielleicht sehnt er sich nach einer liebevollen Beziehung, in der er so sein kann, wie er ist und am Abend mit liebevoller Wärme empfangen wird an seinem Ort des Rückzuges.

Was hingegen könnte die Frau dazu bewegen, so viel an ihrem Mann herumzunörgeln? Vielleicht wünscht sie sich mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung, wenn sie nur die wenigen Stunden am Abend gemeinsam mit ihrem Mann hat. Möglicherweise möchte sie auch einfach nicht alleine zu Hause sein, weil sie das schon den ganzen Tag über ist.

In dem Moment, wo beide ihre Anliegen formulieren, ohne dabei in einer "weil du"-Struktur zu verweilen, sondern mehr in einer "weil ich"-Argumentation, lässt sich vermutlich ein Ausweg aus dem Teufelskreis finden. Dabei geht es dann nicht um Kompromisse, sondern um Verständnis und Wohlwollen beider Parteien.