The Work (Byron Katie)

"Durch The Work habe ich für mich etwas sehr Wichtiges verstanden: Ich bin nicht meine Gedanken." (Byron Katie)

 

"The Work" ist eine von Byron Katie entwickelte Form der Selbstbefragung, bei der es sich eigentlich nicht richtig um eine Kommunikationsmethode handelt, die jedoch durchaus dem zwischenmenschlichen Umgang und unserer Kommunikation zuträglich ist.

Byron Katie (*06.12.1942) ist eine US-Amerikanische Lehrerin und Bestseller-Autorin, die aus ihrer eigenen Gefangenheit in ihren Gedanken und Emotionen „The Work“ entwickelt hat.

Die Grundidee der ganzen Methode ist das Hinterfragen unserer Gedanken bzw. konkreter unserer Glaubenssätze und Urteile über uns selbst und andere. Immer dann, wenn du einen Gedanken hast, in dem „sollte“ oder „müsste“ vorkommt, ist das ein gutes Indiz dafür, dass es sich lohnt, „The Work“ mit diesem Gedanken durchzuführen oder, wie Byron Katie sagen würde, den Gedanken zu überprüfen.

„The Work“ besteht aus vier Fragen:The_Work1.jpg

  1. „Ist das wahr?“
  2. „Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?“
  3. „Wie reagierst du (was passiert in dir), wenn du diesen Gedanken glaubst?“
  4. „Wer wärst du ohne den Gedanken?“

Byron Katie benutzt in ihrer Arbeit noch einige ergänzende Fragen, die noch mehr dahinterstehende Gefühle, Sorgen oder Ängste erfragen und thematisieren:

  • Beschreibe die körperlichen Empfindungen, die auftauchen, wenn du diesen Gedanken hast.
  • Wie behandelst du dich und andere Personen, wenn du diesen Gedanken glaubst?

Die Annahme hinter diesen Fragen ist es, dass wir zu oft annahmen, wir könnten etwas daran ändern, wie die Welt, in der wir leben und die uns umgibt, ist oder sich verhält.

 

Gehen wir mal ein Beispiel durch:

Svenja äußert folgenden Gedanken: „Paul (ihr Mann) sollte endlich mal mehr im Haushalt tun!“

Frage 1 (Ist das wahr?) würde Svenja vermutlich noch mit Ja beantworten, denn schließlich glaubt sie an diesen Satz.

Bei Frage 2 wird das schon schwieriger. Absolut sicher wissen kann sie das ja nicht. Also, es wäre schön und so wünscht sie sich das ja, aber, ob sie absolut sicher wissen kann, dass es wahr ist, dass er das sollte, das weiß sie eigentlich nicht.

Frage 3 bringt meist, all den Frust und Ärger hervor, der sich hinter dem Gedanken verbirgt. Svenja nörgelt viel an Paul herum, verurteilt ihn innerlich und auch direkt verbal, dass er faul sei und sich gar keine Mühe gebe. Manchmal fragt sich Svenja sogar, warum sie überhaupt noch mit Paul zusammen ist.

Im Anschluss folgt die Frage 4, die genau das Gegenteil zu Frage 3 hervorruft. Sie kann Erlösung verschaffen, weil man sich in eine alternative (meist schönere) Herangehensweise hineindenkt. Ohne den Gedanken wäre Svenja eine gelassenere Person. Sie würde sich selber wieder mehr mögen, weil sie nicht dauernd so zickig zu Paul sein müsste und ihn stattdessen wieder aus liebevolleren Augen sehen könnte. Sie würde sich endlich wieder auf ihr Zuhause und Paul freuen und den Abend genießen.

 

Hierbei handelt es sich natürlich, um ein recht plakatives Beispiel, das so, aber auch anders ablaufen könnte. Die Herangehensweise und Abfolge ist aber immer die gleiche und meistens ziemlich wirkungsvoll.

Wer Lust hat, sich Byron Katie bei ihrer „The Work“ mal anzuschauen, findet hier ein paar interessante Beispielvideos:

"Ich bin zu dick!"

"Ich brauche mehr Geld!"

"Mein Sohn ist Ich-bezogen"

 

The_Work2.jpgIch bin nicht der Meinung, dass du nun jeden deiner Gedanken und Glaubenssätze überprüfen solltest. Vielleicht eignet sich die Methode aber für einen sehr festsitzenden und Frust verursachenden Gedanken von dir.

Was ich an der Methode vor allem mag, ist die Erkenntnis, dass ich mich in der Vergangenheit immer wieder von Tatsachen habe frustrieren lassen, auf die ich letztlich keinen Einfluss hatte, von denen ich jedoch überzeugt war, dass sie eigentlich anders sein sollten.

„So sollten Menschen sich nicht verhalten!“

„Das ist doch nicht okay, wenn er das so macht!“

„Wie kann jemand es in Ordnung finden, das … passiert?! Sie sollten endlich alle mal aufwachen und sich fragen, wie das für sie selbst wäre!“

Solche oder ähnliche Gedanken haben sich zu Hauf in meinem Kopf befunden und wurden meist begleitet von negativen Emotionen wie Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Groll, Resignation, …

Byron Katies Idee ist es – und ob du das mit den vier Fragen machst oder auf eine andere Weise, spielt vermutlich keine Rolle –, vor allem erstmal die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist, ohne daran festzuhalten, dass es ja eigentlich anders sein müsste. Ihrer Theorie zufolge, gewinnen wir erst daraus die Lust und Energie sowie einen wohlwollenden Weg, Dinge zu bewegen und zu verändern.

Sie zielte also mit „The Work“ nicht darauf ab, dass man lethargisch vor sich hinvegetiert, weil man annimmt, man könne ja ohnehin nichts ändern und beeinflussen, alles ist und bleibt so, wie es ist. Vielmehr glaubt sie, dass Handlungen aus Frust, Resignation, Hilflosigkeit und Wut auf Andere eher zu einer gewaltsamen und destruktiven Herangehensweise (z.B. Vorgehensweise einiger extremer Gruppierungen) führen, die nur noch mehr Wut und Ärger in die Welt bringt. Wenn wir jedoch die Realität, das, wie sich die Welt uns aktuell präsentiert, als gegeben annehmen (so sollte es sein, denn genauso ist es ja nun mal gerade), ermöglichen wir uns, aus einer positiven und konstruktiven Haltung heraus uns dafür einzusetzen, wie wir uns die Zukunft vorstellen und wünschen.

In Sachen Kommunikation kann uns „The Work“ oder die dahinterstehenden Annahmen und Herangehensweisen dahingehend helfen, dass wir weniger mit unseren festen Gedanken und Glaubenssätzen in eine Auseinandersetzung gehen, sondern ggf. artikulieren, was wir uns wünschen und warum, ohne die Forderung, dass es sich ändern muss. Vielmehr können wir dadurch in ein Aushandeln gehen, wie sich die Situation zwischen uns beiden zukünftig anders gestalten könnte.